Angeln für Anfänger

Angeln Für Anfänger: So Fängst Du Deine Ersten Fische

Wahrscheinlich hast Du vor gar nicht allzu langer Zeit Deinen Angelschein gemacht. Und nun möchtest Du Deinen ersten eigenen Fisch fangen. Aber egal was Du bisher versucht hast, es will einfach kein Fisch anbeißen.

Dabei hast Du Dich bestens vorbereitet. Du hast alle Bücher zum Thema „Angeln für Anfänger“ gelesen. Du hast alles über das Gewässer gelesen, Du kennst alle Details über deinen Zielfisch, Du warst jeden Tag draußen und Du hast die teuerste Ausrüstung am See. Dennoch gehst Du ein um das andere mal mit leeren Händen nach Hause.

Das ist ja wie verhext und Du sagst zu Dir selber: Ich kann doch unmöglich noch mehr lesen, noch mehr Videos anschauen, noch öfter rausgehen und noch mehr Geld für Ausrüstung ausgeben. Was mache ich nur falsch?

Was ist also der Kern des Problems beim Angeln für Anfänger?

Darf ich Dir etwas verraten? Du hast Recht damit: Mehr Informationen, mehr Tipps, mehr Zeit und mehr Geld werden Dein Problem nicht lösen. Betrachten wir es einmal mathematisch: Alle oben genannten Methoden können Deinen Erfolg vervielfachen. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen. Wenn Du öfter ans Wasser gehst, dann steigen Deine Chancen eigentlich enorm, dass Du auch irgendwann einen Fisch am Haken hast. Eine Ausnahme bildet das Angeln für Anfänger:

  • 1 (Dein Können) x 5 (Angeltage) = 5 (Möglicher Erfolg)
    oder
  • 3 (Dein Können) x 3 (Angeltage) = 9 (Möglicher Erfolg).
  • Das Problem ist, dass Du bei null stehst:
    0 (Dein Können) x 3 (Angeltage) = 0
  • sowie
    0 (Dein Können) x 5 (Angeltage) = 0.

Ich wollte die Sache sehr bewusst etwas vereinfachen um es dadurch anschaulicher darzustellen. Der Kern des Problems ist jedoch derselbe. Besonders am Anfang klafft eine große Lücke zwischen Anspruch und Realität, zwischen Theorie und Praxis. Zwischen Buch und Lehrer. Und so langsam erkennst Du, dass es doch nicht so einfach ist, als Anfänger auf Anhieb erfolgreich einen Fisch zu angeln. Ich kann Dich jedoch trösten, so ist es allen ergangen, die es sich auf eigene Faust beibringen mussten.

Du kannst Deine Chancen beispielsweise erhöhen, wenn Du an einem kleinen Gewässer angelst, von dem Du weißt, dass dort öfter bestimmte Fische gefangen werden. Also kannst Du ziemlich sicher sein, welche Fische es dort gibt und dass diese auch anbeißen. Nun kannst Du Dich auf diese bestimmte Konstellation spezialisieren. Aber auch dies ist keine Garantie für einen Fangerfolg und wenn Du Pech hast, kannst Du noch Wochen oder Monate oder gar Jahre auf Deinen ersten Fangerfolg warten. Dennoch bringt uns der letzte Punkt der Lösung etwas näher.

Die Lösung ist eigentlich super einfach

Und was ist denn nun die Lösung für unser Problem? Wie sollst Du die Lücke zwischen Theorie und Praxis denn nun schließen? Ohne Erfahrung fängst Du nichts. Und wenn Du nichts fängst, sammelst Du keine Erfahrung. Ein Teufelskreis, aus dem Du irgendwie ausbrechen musst.

ERFAHRUNG ist das richtige Stichwort. Da Du selber noch keine Erfahrung hast, musst Du Erfahrung entweder in Dein Umfeld bringen oder Du musst Dich dorthin auf den Weg machen, wo die Erfahrung ist. Aber was heißt das denn nun konkret?

Damit will ich sagen, dass Du vor allem am Anfang, statt auf eigene Faust alleine loszuziehen, Dich mit jemandem zusammen tun solltest, der bereits über eine gewisse Menge Angel- und Fangerfahrung verfügt.

Das Problem ist nämlich, dass Du bisher nur theoretische Kenntnisse erworben und von der praktischen Durchführung nur durch Erzählungen gehört hast. Am besten lernt man jedoch, wenn man es etwas erklärt bekommt, wenn man es anschließend sieht und wenn man es dann gleich selber probieren kann. Das ist die ursprünglichste und immer noch erfolgreichste Form des Lernens, auch beim Angeln für Anfänger. Ganzheitliches Lernen in Gemeinschaft mit einem Mentor.

Dabei muss es sich nicht um einen offiziellen Ausbilder handeln. Nein, es reicht, wenn ein Freund Dich mitnimmt und Du sehen kannst, wie, wo und womit er Angeln geht. Dadurch lernst Du erstens die richtige Technik, den richtigen Ort und die richtige Ausrüstung kennen. Nun heißt das alles noch nicht, dass der Fangerfolg garantiert ist. Nein. Auch erfahrene Angler gehen öfter ohne Fisch nach Hause.

Aber diese Angler haben die Gewissheit, dass sie Fische fangen können und sie haben die Gewissheit, dass es sich hier um einen guten Platz handelt. Für Dich ist das ein sehr wertvoller Anfang, um Deinen Erfahrungsschatz aufzubauen. Auch wenn Technik, Ort und Ausrüstung Deines Begleiters nicht perfekt sind, so sind sie doch real und praktisch greifbar. Die Chancen, dass Du in seiner Begleitung einen Fisch fängst sind viel, viel höher. Später kannst Du auch andere Bekannte ans Wasser begleiten und weitere Techniken, Angelplätze und Geräte kennen lernen.

Dann siehst Du eventuell feinere, bessere Techniken, die Du Dir aneignen kannst. Auch Deine Ausrüstung kannst Du ständig verbessern. Und auch Dein Verständnis für das Verhalten der Fische und damit für den richtigen Angelplatz wird mit der Zeit rapide steigen. Aber am Anfang ist es erst einmal am allerwichtigsten, dass Du Deine ersten Fische fangen kannst um Erfahrung zu sammeln und die Gewissheit zu erlangen, dass Du dazu überhaupt imstande bist. Das ist das A und O beim Angeln für Anfänger.

Drei Tipps, wie Du die Lösung erfolgreich in die Praxis umsetzt

Wir haben nun also erkannt, dass wir jemanden mit praktischer Erfahrung suchen und finden müssen. Und diese Person muss auch bereit sein, uns mitzunehmen und uns ihre Vorgehensweise zu zeigen.

Ich stelle Dir jetzt Drei Methoden vor, wie Du garantiert jemanden findest, der Dich mitnehmen wird.

  1. Du musst sofort aktiv werden und Deine gesamte Verwandschaft, Deine gesamten Freunde und alle weiteren Bekannten im Geiste durchgehen. Von wem weißt Du mit Bestimmtheit, dass er geangelt hat, dass er noch angelt oder wenigstens dass er irgendwann einmal angeln lernen wollte. Dabei musst Du diese Menschen nicht in voller Angelmontur vor Deinem inneren Auge sehen.
    Vielleicht hast Du nie bemerkt, dass sie Angler sind, da Du Dich früher dafür nicht interessiert hast. Oder sie haben erst angefangen zu angeln, nachdem Du aus Deinem Heimatort weggezogen bist. Oder sie hatten als Kinder geangelt, haben dann lange aufgehört und inzwischen sind sie wieder mit Eifer dabei. Alles ist möglich und Du solltest nichts ausschließen.
    Anschließend musst Du diese Menschen kontaktieren und sie auf das Angeln ansprechen. Wie Du das machst, bleibt Dir überlassen, aber ich kann Dir einige Tipps als Starthilfe geben: Fange bei Deinen Verwandten an, denn da ist Deine „Hemmschwelle“ am niedrigsten. Anschließend gehst Du Deine Freunde und zuletzt die entfernteren Bekannten durch. Natürlich wird es Dir nicht leicht fallen, jemanden zu kontaktieren, den Du nur ganz entfernt kennst und mit dem Du seit Jahren keinen Kontakt hast, aber es ist trotzdem möglich und lohnenswert.- Überlege Dir, ob ihr einen gemeinsamen Freund oder Bekannten habt, der ein Treffen vermitteln kann. Dann lade ihn auf ein Bier oder zum Essen ein und erzähl ihm einfach ehrlich Deine Situation. Sag, dass Du am Anfang stehst und viel über ihn gehört hast, dass Du zu wenige Angler kennst und dass es eine Ehre wäre, ihn begleiten zu dürfen.-Deine Einstellung sollte folgendermaßen sein: „Ok, ich bin Anfänger aber ich habe eine große Leidenschaft für das Angeln. Meine Kenntnisse sind bisher nur theoretisch und ich habe erkannt, wie wertvoll praktische Erfahrung ist. Deshalb werde ich meine theoretischen Kenntnisse schön für mich behalten und meinem Angelpartner nicht widersprechen. Ich werde kein Tollpatsch am Wasser sein, sondern ich werde unaufdringlich, fleißig und hilfreich sein und nicht ständig quasseln.“
    Schließlich musst Du verstehen, dass man ja angeln geht, um abzuschalten und Ruhe zu finden. Nichts ist da schlimmer als eine Quasseltante, die auch noch alles besser weiß. Verstanden? VERSTANDEN!!!- Ansonsten kann ich Dir garantieren, dass 99% aller Angler gerne einem Anfänger behilflich sind, wenn sie nicht das Gefühl haben, dass er sie extrem stören wird. Denn jeder von ihnen stand genau an jenem Punkt wo Du jetzt stehst. Ok, manche haben vielleicht alles vielleicht von Vater oder Opa gelernt und das Angeln wird ihnen so selbstverständlich vorkommen wie atmen und essen. Die allermeisten jedoch können sich bestimmt in deine Lage hineinversetzen und werden sich sicher geehrt fühlen, dass Du sie gefragt hast und Dir bereitwillig helfen.- Wie auch immer: Das Schlimmste das passieren kann ist, dass dich jemand ablehnt oder sagt, dass er keine Zeit hat oder eine andere Ausrede parat hat. Dann lass einfach Deine Nummer zurück und sag ihnen, dass sie sich jederzeit melden können. Am Ende fragst Du sie, ob sie Dir jemand anders empfehlen können, der eventuell bereit wäre, Dich mitzunehmen? So erhältst Du bei jedem Versuch eine neue Anzahl an möglichen Kontakten.
    Übrigens: Falls Du Probleme im Umgang mit Menschen hast und Dich nicht traust, andere anzusprechen, musst Du eben daran arbeiten. Du solltest Dich Deinen Ängsten stellen und Dich immer weiterentwickeln. Lies den Buchklassiker „Wie man Freunde gewinnt“ von Dale Carnegie und schau Dir dieses und dieses Video an.
  2. Du musst dorthin, wo sich naturgemäß viele Angler aufhalten. Das sind natürlich Angelvereine, Angelgewässer, Angelläden oder Anglermessen, theoretisch auch sämtliche Anglerforen im Internet. Du kennst ja schon mindesten einen Angelverein durch Deinen Lehrgang vor der Prüfung. Spätestens jetzt wäre es Zeit, eine Mitgliedschaft zu beantragen und etwas aktiver zu werden. (Falls Du noch einen Angelverein in Deiner Nähe suchst, dann kannst Du über die zentrale Seite Deutscher Angelfischer Verband e.V. an die Adressen und Telefonnummern der Landesverbände gelangen. Diese können Dir dann schnelle und konkret weiterhelfen.) Eine Mitgliedschaft bringt eigentlich nur Vorteile mit sich: Ein Angelverein ist eine tolle Sache und es sind jede Menge interessanter Menschen dort vertreten. Und alle verbindet die große Leidenschaft zum Angeln. Hier bist Du also perfekt aufgehoben. Ich empfehle Dir folgende Vorgehensweise: Kontaktiere den Präsidenten oder den Jugendwart oder jemanden aus dem Vorstand. Bring die Aufnahmeprozedur hinter Dich und biete Deine Hilfe für anfallende Arbeiten an.Hier gibt es viele Möglichkeiten. Oft fallen kleinere Reparaturen am Vereinsheim oder -gelände an. Manchmal wird das Vereinsgewässer abgelassen und entschlammt oder der Uferbereich wird aufgeräumt und gesäubert. Oder aber es wird eine helfende Hand für das Sommerfest gesucht usw. Biete Deine Hilfe an. Allerdings wird Dich niemand anrufen und um Dein Erscheinen bitten. Deshalb musst Du etwas Präsenz zeigen. (Hier kannst Du Aufnahmen von typischen Aktivitäten eines Angelvereins anschauen.) Gehe mindestens einmal die Woche hin und lass Dich dort sehen. Und frage jedes Mal, ob Du irgendwie behilflich sein kannst. Halte auch die Augen offen und erkenne, wenn Du irgendwo mit anpacken oder aushelfen kannst.Innerhalb von ein bis vier Wochen wirst Du dutzende Angler kennen lernen, von denen bestimmt viele bereit sind, Dich am Ufer oder auf dem Boot mitzunehmen. Nutze die Gelegenheit. Die Wahrscheinlichkeit ist auch sehr hoch, dass Du nun Gefallen am Vereinsleben gefunden hast und ich kann Dich nur ermuntern weiter aktiv zu bleiben! Je stärker unsere Angelvereine sind, desto besser können Sie die Interessen von uns Anglern gegenüber Politikern, Verbänden, Wirtschaft und Industrie vertreten.
  3. Als letzte Möglichkeit kannst Du Dir professionelle Hilfe holen, indem Du einen sogenannten Guide buchst. Guides sind Menschen, die aus ihrem Hobby einen Haupt- oder Nebenberuf gemacht haben und durch Ihre Angebote Geld verdienen. Oft bieten sie Touren für Gruppen zu festen Terminen an und man kann sich gegen Bezahlung einer dieser Touren anschließen. (Kontaktangebote findest Du zum Beispiel im Schlußteil der Zeitschriften Blinker oder Fisch & Fang.)
    Du kannst den Guide aber auch einfach so auf gut Glück kontaktieren, ob er eine Möglichkeit kennt, wie er Dir weiterhelfen kann. Natürlich kosten diese Guides Geld aber vergiss nicht, dass Du dafür auch professionelle Hilfe und Anleitung bekommst. Durch einen guten Guide kannst Du einen riesigen Schritt vorwärts in deiner Anglerkarriere machen. Und viele geben sogar eine Fanggarantie bei Teilnahme.Obwohl ich kein Freund von solchen Garantien bin, kannst Du sehen, dass die Chance einen Fisch während einer Tour zu fangen, recht hoch sind. Das kommt eben daher, dass der Führer sein Gewässer perfekt kennt und die Umweltbedingungen sehr gut einschätzen kann. Wenn Du es Dir leisten kannst, probier es ruhig einmal. Du wirst bestimmt sehr viel mitnehmen können.
    Ich würde jedoch empfehlen, dass Du als blutiger Anfänger Punkt 1 und 2 zuerst probierst und einen Guide erst dann kontaktierst, wenn Du bereits einige Fangerfolge vorweisen kannst. Das ist zwar keine Voraussetzung, aber so kannst Du einfach das meiste aus diesem Termin herausholen. Eine Guide ist zwar eine Möglichkeit beim Angeln für Anfänger, aber nicht unbedingt die Beste. Denn stell Dir vor, Du bist die Hälfte der Zeit mit Knoten binden und Schnur entwirren beschäftigt, weil Dir die Erfahrung fehlt. So kannst Du nicht das Maximum für Dein Geld herausholen. Es würde Dich also eher demotivieren.

Nun heißt es, folgendermaßen vorgehen:

Fertige eine Liste mit den oben genannten Personen an. Dann beginnst Du damit, herumzutelefonieren. Gleichzeitig beantragst Du eine Mitgliedschaft im Angelverein oder gar in mehreren und gehst dort zu den wöchentlichen oder monatlichen Versammlungen und bietest Deine Hilfe an. Dann gehst Du mit einem Angler raus ans Wasser und schaust genau zu, wie er seine Fische fängt und genau so machst Du es auch.

Sei hilfreich und ein angenehmer Zeitgenosse, damit er Dich eventuell in Zukunft öfter wieder mitnimmt. Biete an, Köder zu besorgen, mit Deinem Auto zu fahren, Sprit für das Boot zu zahlen usw. Vielleicht ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, vielleicht willst Du aber auch so schnell wie möglich alleine los und Deine neuen Erfahrungen umsetzen.

Wie auch immer. Nun bist Du bereit für Deine erste erfolgreiche Saison. Alle Informationen die Du ab jetzt besorgst, machen Sinn und tragen erheblich zu Deinem Fangerfolg bei. Denn nun multiplizierst Du ja nicht mehr mit „null“.

Bitte vergiss auch nicht, wie Du angefangen hast. Wenn Dich in zehn Jahren ein blutiger Anfänger um Hilfe bittet, dann wirst Du all das hoffentlich entsprechend zurückgeben. So schließt sich der Kreis wieder.

In diesem Sinne.

Petri heil!

 

Weitere interessante Links:

Erfahrung – Wikipedia-Artikel
Angeln (Fischfang) – Wikipedia-Artikel
Deutschlands Gewässer – Datenbank auf der Blinker Homepage
Angelguides in Deutschland – pdf (Download) auf der Blinker Homepage

Ich freue mich auf Deinen Kommentar.