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Keine Fische – Warum Fange Ich Nichts?

Verdammt! Schon wieder keine Fische gefangen heute. Wieder gehe ich als Schneider nach Hause. Vielleicht schon zum x. ten Mal in diesem Monat. Was zum Teufel ist denn nur los. Wo sind all die Fische geblieben? Es ist zum Verzweifeln. Wie bei einem guten Stürmer, der irgendwann eine Phase hat, in der er plötzlich keine Tore mehr schießen kann. Eine Torflaute, eine Torhemmung oder wie man es auch nennen mag. So kann das auch jedem Angler irgendwann passieren. Oft kommt es sogar häufiger vor, als man glaubt. Denn erzählt wird ja meistens von unserern großen, dicken Fängen und nicht von den DoppelNull-Tagen.

Wieder keine Fische – Was führt zu einem erfolglosen Angeltag?

Nun, wir Angler kennen alle diese Situation und sie ist zum verrückt werden. Zunächst ist es nicht so schlimm und man genießt die Ruhe, den Sonnenaufgang und die Natur um einen herum. Aber nach dem fünften Tag beginnt unser Mut zu sinken. Durch die andauernde Erfolglosigkeit beginnen wir unsere Zuversicht und unser Selbstvertrauen zu verlieren. Dies wiederum führt dazu, dass wir Fehler machen, unseren Erfolgsmethoden nicht mehr vertrauen und generell schlechtere Qualität abliefern. Man achtet nicht mehr auf einen sauber gebundenen Knoten, man vernachlässigt das Nachschärfen der Haken und die Schnur wird nicht mehr auf Beschädigungen überprüft. Warum denn auch? Es beißt ja sowieso nichts, oder?

Am Anfang sucht man noch Erklärungen. Die Temperaturen sind noch zu niedrig oder zu hoch, der kalte Wind weht hier an diese Stelle des Ufers, wir sind zu spät aufgestanden, es war der falsche Köder. Deshalb keine Fische… Erklärungen sind ja auch wichtig und gehören zum Angeln dazu. Sie zwingen uns, über den Erfolg oder Misserfolg zu refkletieren. Sie bringen uns dazu, festzuhalten, welche Faktoren zum Erfolg führten und welche nicht. Diese können wir dann entsprechend abspeichern und bei Bedarf gezielt abrufen. Das ist eigentlich das ganze Erfolgsgeheimnis. Ein angenehmer Nebeneffekt ist, das mit der erfolgreichen Methode auch das Glücksgefühl des Erfolgs wiedergeweckt wird und uns einen Motivationsschub verleiht.

Die größte Gefahr bei einer Angelflaute ist nun, dass man Hecht und Zander in schwierigen Gewässern von Hartmuth Geck die Motivation verliert, all die wichtigen Erfolgsfaktoren zu praktizieren. Man legt sich keine schlüssigen Erklärungen mehr zurecht, man achtet nicht mehr auf sorgfältiges Handwerk und man verliert die Begeisterung und Leidenschaft.
Die Stimmung ist am Tiefpunkt angelangt. Man möchte verzweifeln. Hinzu kommen unnötige Aussagen der Kollegen wie: ‚Hier gibt es einfach keine Fische mehr‘ oder ‚Der verdammte Kormoran frisst uns alles weg‘. Dass jedes Wasser seinen Raubfisch hat und es keine raubfischfreien Gewässer gibt, das erklärt Hartmuth Geck sehr anschaulich am Anfang seines tollen Buches „Hecht und Zander – Angeln in schwierigen Gewässern“.

Es gibt einen Weg aus diesem Teufelskreis heraus

Doch halt! Nur nicht verzagen, es gibt durchaus bewährte Lösungen, wie man aus diesem Schlamassel wieder herauskommt. Ich werde hier einige Methoden präsentieren, die Dir garantiert helfen können, bald wieder Fische zu fangen.

Zunächst einmal ist es sehr wichtig, weiter zum Angeln zu gehen. Denn nur am Wasser, wenn der Haken bei den Fischen ist, kann etwas gefangen werden. Bei einer negativen Serie wird das Gefühl des Versagens durch das Nicht-Angeln zu Hause verstärkt. (Übrigens genau so, nur mit umgedrehten Vorzeichen, ist es bei einer Erfolgsserie in die positive Richtung.) Der negative Eindruck führt nun leider bei manchen Anglern dazu, dass Sie zum ersten Mal die Lust an ihrem Hobby verlieren und nicht mehr zum Angeln gehen. Bei den meisten Anglern, die ganz aufgehört haben, ist wohl die häufigste Ursache von allen, dass sie über einen längeren Zeitraum keine Fische gefangen haben. Traurig aber wahr. Deshalb gilt jetzt erst recht: Unbedingt konsequent weiter ans Wasser!

Als nächstes dürfen wir unsere Sorgfalt auf keinen Fall schleifen lassen. Egal wie wenig und auch wenn wir überhaupt gar keine Fische mehr fangen. Dennoch haben wir weiterhin die Pflicht, den bestmöglichen Knoten zu binden; Wir haben die Pflicht, unsere Haken weiterhin auf größtmögliche Schärfe zu überprüfen; Und wenn nötig, sofort, nachzuschleifen; Wir haben die Pflicht, unsere Schnur auf Beschädigungen und Alterungsspuren zu überprüfen und im Zweifel zu kürzen bzw. erneuern. Zu Hause angekommen, sollten wir unsere Ausrüstung mit Respekt behandeln und nicht achtlos in die Ecke schleudern, wo dann jeder darüber hinwegsteigen muß und drauftreten kann. Wir sollten weiterhin nur beste Qualitätsteile kaufen und nicht beginnen, am Köder und an der Ausrüstung zu sparen und uns mit Billigteilen zu begnügen.

Mit diesen Maßnahmen sind wir stets bereit für den nächsten Fisch, für die nächste Glücksserie. Jedenfalls bleiben wir eher positiv gestimmt, weil uns unsere Vorgehensweise unbewußt klar macht, dass wir weiterhin jeden Augenblick mit einem Fisch rechnen! Das ist auch der wichtigste Punkt. Wir müssen die Sorgfalt vor allem auch für uns, für unsere innere Einstellung hoch halten. Nur so heißen wir den Erfolg willkommen, wenn er sich wieder einstellt. Meiner Meinung nach ist das Angeln auch immer ein Stählen der Willenskraft, Zähigkeit und Durchhaltefähigkeit. Allesamt Eigenschaften, die man heutzutage mehr und mehr vermisst.

Als letzten Punkt musst Du Dir folgendes hinter die Ohren schreiben: Hör niemals auf, eine Erklärung für den Schneidertag zu suchen. Diese Erklärung muss nicht zu 100% korrekt sein und sie ist auch nicht für andere gedacht, sondern nur für Dich. Es ist wichtig, dass Du eine starke eigene Meinung entwickelst und Zuversicht in deine Meinung hast. Anregungen von anderen Anglerkollegen oder aus Angelzeitschriften sind OK, aber man sollte sie nie unreflektiert übernehmen, sonst wird man irgendwann verrückt. Denn von 100 Menschen bekommt man 100 verschiedene Meinungen zu hören.

Also es gilt: Mach Dir von Zeit zu Zeit Gedanken über sämtliche Umweltbedingungen und wie sich die Situation am Wasser darstellt. Wie spät ist es, wie steht der Mond, wann hat es zuletzt geregnet, wie hoch steht das Wasser, wie hoch ist die Temperatur, sind Mücken oder andere Insekten am Wasser, wie sieht die Vegetation aus, woher weht der Wind und ist er warm oder kalt? Analysiere Deine Situation und ziehe logische Schlüsse: Aha, wenn der kalte Ostwind auf mein Ufer weht, dann staut sich hier vielleicht das kältere Wasser und es gibt keine Fische, weil sie auf die andere, windgeschützte Uferseite mit dem wärmeren Wasser abwandern. Oder es fehlen die Insekten, aus irgendeinem Grund scheinen sie dieses Jahr später zu schlüpfen, weshalb sich die Fische noch nicht darauf eingestellt haben und nach der Laichzeit noch in der Tiefe ausharren. Oder die Wasseroberfläche ist spiegelglatt und wir wissen, dass Räuber von den Weißfischen durch die Spiegelung an der Wasseroberfläche sofort bemerkt werden. Deshalb gehen die Räuber erst gar nicht auf Beutezug und deshalb nehmen sie auch Deinen Spinner nicht und Du fängst keine Fische, egal wie gut Du ihn präsentierst.

Aber setze Dir ein Zeitlimit für Dein Nachdenken. Mein Vorschlag sind 20 Minuten, danach hörst Du mit der Grübelei sofort wieder auf! Warum ist das so wichtig?

Erstens besteht die Gefahr, dass man mit der Grübelei nicht mehr aufhören kann und entweder in andere Gebiete abwandert oder in eine Negativspirale hinein gerät oder beides zusammen. Ehe man es sich versieht, sind fünf Stunden vergangen und man hat sich unnütze Gedanken über Gedanken über Gedanken gemacht. Stop! Das wichtigst bei JEDER Tätigkeit ist, dass man voll und ganz im hier und jetzt ist. Dass man voll und ganz bei der Sache ist. Dazu muss man das Grübeln, die ständigen Gedanken ausschalten. Jeder hat seine Tricks dafür. Falls Du nicht weißt, wie man das macht, kannst Du es hier lernen. Nochmals, das logische Gehirn, der Verstand wird wie ein Werkzeug für eine kurze Zeit eingesetzt und benutzt. Anschließend klappt man es zusammen und tut es auf die Seite. Nun kann die andere Gehirnhälfte, die für Kreativität usw. zuständig ist, übernehmen und Lösungen hervorbringen.

Keine Fische - Warum Fange Ich Nichts
Ein zweiter Vorteil ist, dass unser Unterbewusstsein nach diesem kurzen Anstoß nun selbständig, sozusagen unter der Oberfläche, weiter an diesem Problem arbeitet. Und zwar viel effektiver, wie wenn wir uns das Hirn zermartern. Wenn man es richtig anstellt kann man diesen Vorgang sogar weiter optimieren (siehe hier). Aber das ist gar nicht notwendig. Wenn Du meine Vorschläge beachtest, kann ich Dir versichern, dass Du mit einer sinnvollen Erklärung und einer alternativen Vorgehensweise aufwarten wirst. Wie gesagt, diese sind nur für Dich selber gedacht, es sind keine Ausreden für andere Leute. Gib Deinem Unterbewusstsein nur einige Tage Zeit und schalte unbedingt das ständige Grübeln aus. So steigerst Du die Zuversicht in Deine Entscheidungsfähigkeit und in Deine eigene Meinung. Und Du traust es Dir eher zu, neue Stellen oder neue Methoden auszuprobieren, die wieder zum Erfolg führen werden. Denke immer an die folgende Definition: „Wahnsinn ist, wenn man immer dieselben Fehler wiederholt, aber andere Resultate erwartet!“

So setzt Du diese Erkenntnisse wieder mit Erfolg ein

Jetzt heißt es alle diese Punkte verinnerlichen und den Arsch hochkriegen. Egal, wie mühsam es scheint, aber Du musst morgens aufstehen und raus aus den Federn. Wenn Dir der wunderschöne Sonnenaufgang am Wasser nicht genug Belohnung ist, dann belohne dich selber für jeden Tag, den Du trotzdem raus gehst, in dem Du Dir etwas besonderes gönnst, auch wenn Du keine Fische fangen konntest: Schokolade, Kino oder eine Runde in der Autowaschstraße? Und wenn Du wieder einen Fisch fängst, gibt es endlich die neue, edle Angeltasche, die Du Dir schon so lange wünschst. Du musst nur etwas Willenskraft, Zähigkeit und Ausdauer zeigen. Bestimmt kennst Du die Bedeutung dieser Eigenschaften. Oder muss ich Dich erst daran erinnern, wie Du Dir damals Deine Frau bzw. Deinen Mann geangelt hast 😉 ?

In diesem Sinne, viel Petri heil!

3 Gedanken zu „Keine Fische – Warum Fange Ich Nichts?

  1. Guter Artikel, der gerade für Nachwuchsangler interessant sein kann. Ich glaube, jeder war mal eine Zeit lang weniger erfolgreich als gewohnt. Ist vieles auch Kopfsache. Zusätzlich finde ich es auch einfach schön, draussen in der Natur zu sein und den Kopf durchzulüften – mit oder ohne Fangerlebnisse.

  2. Hallo Thomas,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Was soll ich sagen? Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen und ich stimme zu 100% mit Dir überein.

    Grüße Joe

  3. Gerade wieder mit meinem Mann gestritten weil mir als Anfängerin das Erfolgserlebnis fehlt und ich kurz davor bin das Angeln hinzuwerfen.

    Wenn ich verzweifelt aufgebe und er auf exakt der gleichen Stelle auf der ich zuvor zwei Stunden erfolglos geangelt habe nach nur einem Wurf einen Fisch hat dann ist das eine Demotivation ohne gleichen. Er lacht darüber und kann nicht verstehen was in mir vorgeht.

Ich freue mich auf Deinen Kommentar.